Bienchen – Short Story, frei lesbar

Kurzgeschichten

Bienchen - Short Story. Magische Kräfte

Bienchen und die neue Kraft  
 
Biene, 20 Jahre, nicht zu groß, aber auch nicht gerade klein. Schlank und rank, an bestimmten Stellen interessant. Heute, um ihr Dasein zu finanzieren, auf dem Weg zu einem Job. Im Allgemeinen, waren die Leute der Meinung, sie sei Studentin. Mit Nebenjob. Nein, war sie nicht! Es gab einfach und simpel, einiges an Rechnungen zu bezahlen.  
Nicht nur für neue Klamotten. Modische Bekleidung, besonders der stundenlange Einkauf, eine Art innerer Befriedigung für Biene. Eine abendfüllende Sache, die Klamotten Angebote eines Versandhändlers im Geiste anzuziehen.
 
Heute, angepasst angezogen. Auf dem Weg zum Nebenjob. Einen Privathaushalt bei der Steuererklärung unterstützen. Sie saß in der U-Bahn und versuchte einen Punkt auf der Werbefläche gegenüber zu fixieren. Innerlich kotzte sie ab. Vis-a-vis  ein  Typ, geschätzt ihr Alter. Er fixierte auch etwas. Ihre Brüste. „Noch drei Stationen, vielleicht steigt der Typ vorher aus.“ Ihre Gedanken.
 
„Drei Gehirnzellen, zwei sind etwas weiter unten aktiv. Nummer Drei zum Aufrechterhalten der Lebensfunktionen, durfte oben bleiben. Soll ich ihm einen Spruch reinhauen? Nee, der sieht so primitiv aus und denkt noch ich suche ein Gespräch. Wenn ich könnte! Von mir aus soll er ersticken. Eine Runde aussetzen beim Atmen. Wofür braucht diese Birne Sauerstoff.“  
 
Kurze Gedankenpause. Sie fühlte sich etwas besser.
 
„Sag mal, jetzt läuft dem Vollpfosten bald der Speichel aus dem Mund, das kann doch nicht sein!“ Der Typ änderte seine Taktik, sein Kopf leicht nach unten geneigt, dafür die Augen nach oben gedreht. Gesichtsausdruck, „haben will!“
Biene stellte sich intensiv vor, wie sein Hals zugedrückt wird. Einfach stillstand. Ein warmes Kribbeln machte sich in der Magengegend bemerkbar. Sie senkte den Blick zu Boden. Hatte sie die Luft angehalten. Kurzatmig.  Wie nach einem Sprint, um die U-Bahn noch zu erreichen. Sie atmete schnell durch die Nase ein, kurz darauf wurde die Luftzufuhr vergrößert. Sie sog die Luft jetzt tief mit offenem Mund ein. Hände vor den Mund und ein Gähnen vortäuschen, das ist jetzt wieder ein gefundenes Fressen für den Typen, wenn sie die Hand….. Nein? Er blickte plötzlich zum Fenster, in die Dunkelheit der Tunnelröhre. Sein Gesicht wirkte angespannt, wie auch seine Körperhaltung. Es lag etwas Besonderes in seinem Gesicht. Die Backenmuskeln arbeiteten und er schien hart zu schlucken. Die Augen wirkten irgendwie geweitet. “Also, der Typ konnte auch anders aussehen. Richtig putzig, ich denke er rötet sich gerade.  Jetzt schluckte er hastiger, krampfartig. Vielleicht geht es ihm ja nicht gut. Nicht das mir das jetzt leid täte. Sobald die beiden anderen Gehirnzellen den Aufstieg geschafft haben wird das schon wieder. Wenn das Team wieder zusammenarbeitet.
 
Bienchen fühlte sich jetzt oben auf und suchte „nichts“ in ihrer Tasche. Sie gestaltete die Zeit bis zum nächsten Blick auf ihr Gegenüber. Schweißperlen, schöne dicke Schweißperlen auf der Stirn. Das Gesicht war eine reife Tomate und die „Äuglein“, waren groß und weit aufgerissen. Beeindruckend, ein roter Fisch! Fast gleichzeitig schrie ein Fahrgast von schräg gegenüber auf, stürzte zum roten Fisch und zerrte ihn vom Sitz. Biene registrierte alles, wie in einem Film. Oder kurz gesagt, sie war momentan überfordert. Der Helfer platzierte den Notfall im Mittelgang. Leuchtete kurz mit einer kleinen Taschenlampe in seinen Mund. Blickte hoch und rief ins Abteil, „ich bin Arzt“. Bienchen versuchte ihre Eindrücke zu verarbeiten, alles etwas zu schnell für sie. Der ehemals geil blickende Typ, jetzt am Boden, bekam so etwas wie Krämpfe. Er wurde regelrecht durchgeschüttelt. Biene starrte auf ihn und dachte, das hat er sich verdient. Der Doc begann den Brustkorb des Mannes zu bearbeiten. Bienchen wurde immer ruhiger. Eigentlich tat ihr der Typ am Boden schon wieder leid. So etwas würde sie niemanden wünschen. „hoffentlich passiert nichts schlimmes“. Der Typ am Boden richtete seinen Oberkörper ruckartig auf und sog Luft in sich ein. Ein interessantes Geräusch! Der Arzt erhob sich langsam, erleichtert. Sein Patient, japste noch ein paar Mal und das war´s auch schon. Bienchen überlegte, wann wird er wieder Zeit für geile Blicke haben.
 
Der Arzt und der ehemals geile Typ stiegen an der nächsten Station aus. Der freie Platz war zügig besetzt. Gesetztes Alter, Büro! Die U-Bahn hatte noch nicht die Station verlassen, da fing das Spiel von vorne an. Nicht verschämt, nicht kurz, nein, klar und direkt. Ein Blick, der sagte, ich darf das! Ihre Brüste waren wieder ins Zentrum gerückt. Sie konnte dem Blick sogar ablesen, was er gerade dachte. „Und jetzt ist gut, ich bin doch nicht euer …! Ersticke alte Sau.“ Eine Hitzewelle durchflutete ihren Körper. Sie schloss die Augen, ein Schwindelgefühl überkam sie, es fühlte sich gar nicht mal unangenehm an. Als sie die Umgebung wieder bewusst wahr zu nehmen, war der Typ gegenüber schon am Schnapp-Atmen. Die Ähnlichkeit mit  dem roten Fisch von vorhin war leicht erkennbar. Diesmal war sicherlich kein weiterer Arzt im Abteil. Der ältere Herr aus dem Büro, legte seinen Dresscode zügig ab, knöpfte das Hemd auf. Die Krawatte wurde nicht gelockert, eher aufgerissen. Alles umsonst, das Sauerstoffzuführungsproblem blieb bestehen. Eine dickliche Blondine, drängte sich in die Sitzreihe, frei nach dem Motto, ich helfe, ich darf alles. Sie riss den Alten hoch, schleifte ihn auf den Mittelgang. Bienchen hatte das doch gerade erst erlebt. Der Typ lag da am Abteilboden, wie sein Vorgänger. Was passiert hier, wiederholt sich alles? Hatte sie etwas damit zu tun, das heiße Gefühl? Nein. Einer Eingebung folgend, dachte sie intensiv die Worte – „Alter Sack, atme“. Der Gedanke war noch nicht vollkommen in ihrem Kopf fertig gedacht. Sein Oberkörper richtete sich auf. Luft wurde eingesogen. Bei diesem Anblick durchflutete es Biene heiß und kalt, sie fing an zu schwitzen. Ihr Blick war auf den Menschen am Boden gerichtet. Er sah Bienchen an.
 
Ihre Blicke trafen sich für den Bruchteil einer Sekunde. Für diesen Moment öffnete sich das Tor zur Seele, lang genug, um tiefe Eindrücke zu offenbaren. Der Büro-Typ, hatte seine dargestellte Wichtigkeit gegen blanke Angst gewechselt. Ein nacktes Tier. Angst vor Bienchen, was tief in ihren Augen lag. Er stand mit Unterstützung seiner blonden Helferin auf, fand wieder Worte. Worte des Dankes, Verständnislosigkeit. Das wäre ihm noch nie passiert und …  
 
Biene stand auf und verließ das Abteil, irgendwie wurde ihr alles zu viel. Am folgenden Tag, waren die Erinnerungen vom Vortag bereits in einer unteren Schublade.
Termine, Rechnungen, Sorgen und Träume. Sie saß wieder in der U-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit. Super Wetter war angesagt und sie trug ein paar neue Teile. Einfach top schick. Biene fühlte sich gut. Gegenüber saß ein Herr, teurer Anzug, gepflegt. Er musterte sie von Kopf bis Fuß. Mit welcher Begründung, gafft  mich der Alte so an. Ist das hier ein Laufsteg. Was meint der Typ eigentlich. Es wallte heiß in ihr auf. He Alter, verrenk dir doch den Nacken! Der gut gekleidete Herr ihr gegenüber verbog sich etwas und wirkte ein wenig verkrampft. Sein Blick war in die Ferne gerichtet. Biene erlaubte sich die Frage, ob denn alles in Ordnung sei. Er sah sie an, meinte nur, er habe wohl etwas Zug bekommen, sein Nacken macht gerade Probleme. Biene starrte ins Leere, wie vor den Kopf gestoßen. Sie lehnte sich zurück und fing an zu grübbeln. Der gestrige Tag! So viele Zufälle, komisch oder vielleicht doch. Das kann nicht sein.
 
Ihre Station wurde angesagt. Auf dem Weg zur Firma überschlugen sich ihre Gedanken. Es konnte einfach nicht sein.  
 
Und dann schlagartig, kam die Idee! Ein Test an Michael, dem Kollegen am Schreibtisch gegenüber. Es würde sowieso nicht funktionieren, das waren drei Zufälle. Wie oft wird Leuten in der U-Bahn schlecht, die Hitze, das Gedränge, am Vortag gefeiert. Unmöglich!
 
Aber, testen war ja nicht verboten. Es wären doch nur ihre Gedanken. Ja, sie würde es an ihm testen.
 
Bienchen, tat das was sie immer tat. Abfalleimer wieder unter den Tisch schieben, PC anschalten, Handtasche ablegen, Kennwort eingeben. Ein freundliches Nicken an den Herrn gegenüber. Nachdem alles wie üblich war, konzentrierte sich Biene auf Michaels rechte Hand. Sie sollte einfach steif werden. Kurz darauf fing Michael an, seine rechte Hand zu schütteln. Entschuldigendes Lächeln, eingeschlafen. Cool. Ruhig bleiben! Biene lächelte Michael freundlich an. Konzentrierte sich wieder – rechter Arm wird steif. Michael sprang auf, schüttelte den rechten Arm und machte Verrenkungen mit dem Oberkörper. Was er wohl als Lockerungsübung ansah! Biene, nahm alles zurück.
 
Sie hatte verstanden. Michael sank in seinen Drehstuhl und lächelte entschuldigend. Ihm gegenüber saß eine junge Frau, die etwas wusste.
 
Drei Jahre waren zu verrechnen. Seine Blicke, seine Gesten, seine eindeutigen Witze und anzüglichen Bemerkungen. Drei Jahre sind eine lange Zeit. Für den, der Leiden wird.
 
© Thomas 21.08.2014

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